Mit der Wauwaubox in den Konkurrenzkampf

Mit der Wauwaubox in den Konkurrenzkampf Live

Deutschland, ein Land der Gründer und Erfinder? Eher nicht, die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. In Oldenburg und in den Landkreisen hat sich jedoch eine noch überschaubare, aber lebendige Gründerszene entwickelt. NWZonline stellt in einer Serie die spannendsten Projekte vor und sucht weitere mutige Start-ups: Wer gerade selbst an einer Erfindung tüftelt oder den Schritt in die Selbständigkeit schon gemacht hat, kann sich gerne bei uns melden: inga.wolter@nordwest-zeitung.de.

Mit der Wauwaubox in den Konkurrenzkampf

Beste Freunde aus Oldenburg überraschen beste Hunde

Eine Wauwaubox ist eine Überraschungsbox für Hunde, gefüllt mit Leckerlies und Spielzeug. Sicher, eine feine Sache, aber wer braucht sowas? Kann man damit wirklich Geld verdienen? Nikas Günther hat darauf eine genaue Antwort: Laut einer Studie gibt es weit über 18 Millionen Hauskatzen und Haushunde in Deutschland, Hamster, Schlangen und Co. noch nicht mitgezählt. Ihre Besitzer geben pro Jahr 7,9 Milliarden Euro aus. Einen Teil von diesem fetten Hundekuchen wollten Nikas und Mitgründer Timo Grützner abhaben und kämpften - trotz anfänglicher Turbulenzen - für ihre Wauwaubox.

Gründer des Unternehmens "Who Cares" und Entwickler der Wauwaubox: Nikas Günther und Timo Grützner, beide 29 Jahre alt. Die beiden kennen sich seit über 18 Jahren. Fotos: Anna Daki
von Inga

Die Geschichte von der Wauwaubox und des Unternehmens
Who Cares beginnt früh und in Oldenburg: Die zwei Gründer kennen sich seit der Kindheit, wie Nikas bei einem Kaffee erzählt. Sie sind zusammen aufgewachsen, waren zusammen in der Schule und sind beste Freunde. Heute sehen sich die Oldenburger Sandkastenfreunde als "Hamburger Jungs".

Nikas studierte Kommunikationsdesign in Hamburg und arbeitete danach als Art Director beim damaligen Start-up Luxodo, einer Luxus-Shoppingplattform. "Ich bekam dort alles mit", berichtet Nikas. Wie man Business Angels sucht. Wie man Bewerbungsgespräche führt. Er schnupperte Start-up-Luft, Luxodo war seine Gründerschule.

Von Luxusmode zu Hundetrüffel

Aus dem Start-up Luxodo
wurde eine große Nummer. Nikas nahm viel mit, ging mit Investoren auf Tuchfühlung, machte für seinen besten Freund Timo dort noch eine Stelle klar. Mit der Zeit kam aber der Frust. "Wir beide haben uns über einige Entscheidungen geärgert und hätten vieles anders gemacht", sagt Nikas. Er fand Social-Media-Marketing ungeheuer wichtig - vor allem weil es um Mode ging: "Die Mädels wollen online gucken", meint er. "Die Werbung ist zielgerichtet."

Auf einer New-York-Reise kam die eigene Gründeridee: Nikas und Timo stießen auf "Barkbox", die Überraschungsbox, über die sich "Dogs" in Amerika freuen. Mehrere Tage lang googelten die beiden Freunde nach ähnlichen Angeboten aus Deutschland. Sie fanden nichts - und legten los.

Die WAUWAU BOX ist einfach zum abschnuffeln
via YouTube

10.000 Euro aus eigener Tasche steckten Timo und Nikas in die Entwicklung der Wauwaubox. Sehr viel Zeit ging für den Internetauftritt drauf. Sparen war angesagt. "Wir suchten uns günstige IT-Kräfte im Ausland." Eine davon war ein Inder. "Das war aber schwierig - mit der Sprache, der Zeitverschiebung und den kulturellen Unterschieden", sagt Nikas. Der IT-Spezialist habe zu allem "Yes Sir" gesagt, egal ob er die Arbeit schaffen konnte oder nicht. Das war seine Mentalität. Dann wurde sein Haus in Indien von einer Flut weggeschwemmt.

Nikas und Timo gaben die Homepage in die Hände eines IT-Fachmanns aus Serbien. Für den war es jedoch zu aufwendig, durch die Seite mit den Programmier-Befehlen des Inders durchzusteigen, sodass er noch einmal komplett neu anfing. Zusätzlich zog sich die Homepage-Entwicklung in die Länge, weil die Gründer viele, kleinteilige Entscheidungen mittreffen mussten. "Wenn ich so etwas noch einmal mache, würde ich vorher ein komplettes Konzept entwickeln und es an eine einzige Firma abgeben."

Die Internetseite war gerade scharf geschaltet, da stellten die jungen Gründer zu ihrem eigenen Ensetzen fest: Es gab doch schon eine deutsche Hundeüberraschungsbox. Timo und Nikas hatten die Hamburger "Hundewunderbox" übersehen. "Plötzlich ploppten überall ähnliche Angebote auf", erzählt Nikas. "Wir fragten uns: Müssen wir jetzt Angst haben?" Sie kundschafteten die anderen neuen Firmen bei Xing aus. "Eine nannte sich sogar einfach Waubox", erinnert sich Nikas.

Die Konkurrenz meldet sich

Dann kam die Klage. Das Start-up mit der Hundewunderbox stieß sich offenbar über den "Das Original"-Button auf der Wauwau-Homepage, wie Nikas heute erzählt. Zu Recht: Die Gründer mussten den Button von der Seite entfernen und eine Strafe bezahlen. Nikas ärgerte sich, dass das Start-up gleich den juristischen Weg ging und nicht zunächst versuchte, das Problem im Gespräch von Gründer zu Gründer auszuräumen: "Wir hätten es lieber unter Hamburger Jungs ausgemacht." Mittlerweile hat der Hundewunderbox-Dienst seinen Betrieb eingestellt.

Mit den ersten Medienberichten wurde Timos und Nikas' Chef auf ihre Existenzgründer-Ambitionen aufmerksam. Er stellte sie vor die Wahl: Entweder 100 Prozent Luxodo oder 100 Prozent Wauwaubox. Die Freunde kündigten.

Nikas nahm dennoch e
ine neue Stelle beim Hamburger Luxuskaufhaus Unger an. "Das Geld brauchte ich ja." Neben dem Job, an Abenden und an Wochenenden, zogen er und sein bester Freund ihr eigenes Unternehmen auf. In der Zeit stellte Nikas noch einmal fest, dass er keine Lust hatte, länger als Angestellter zu arbeiten. Er wollte lieber fürs eigene Geschäft schuften. Die erste Wauwaubox ging im Oktober 2013 in die Post, im Mai 2014 kündigte Nikas seinen Job bei Unger.

Ich bin ein Hundefreund, habe aber selbst keinen Hund. Vor "Wauwaubox" habe ich Klamotten für Frauen verkauft. Da kann ich jetzt auch Überraschungsboxen für Hunde und Katzen verkaufen.

Nikas Günther
, Mitgründer von Wauwaubox

Das Geschäft lief langsam an. Die Freunde hatten zwar vorher die Werbetrommel gerührt, hatten aber vor allem andere Start-ups in ihrem E-Mail-Verteiler. Bekannte belächelten die Idee zunächst.
Nach und nach bestellten aber mehr Hundebesitzer und später auch Katzenbesitzer Überraschungsboxen. Sie könnten mittlerweile davon leben. Sie stecken ihre Umsätze aber lieber in neue Angebote - wie eigene Hunde-Produkte, die sie auch im Großhandel anbieten wollen.

Bis zum 15. eines Monats können die Kunden die Wauwaubox bestellen. Dann wissen die jungen Unternehmer, wie viele Boxen sie füllen und verschicken müssen. Die Arbeit beginnt. Sie suchen in Onlineshops nach Produkten und wälzen Kataloge.
Trockenfisch, Hundetrüffel: In die Box kommt, was Herrchen oder Frauchen nicht kennen und worüber sich Hündchen aber gelegentlich freut. "Es ist eine große Hin- und Herrechnerei", sagt Nikas. Denn bei 1000 Euro komme es auch auf ein paar Cent an. "Wenn ich 30 Cent herunterhandele, habe ich 300 Euro gespart."

Nikas hat der Gründergeist gepackt. Ein zweites Projekt ist in der Mache: eine Immobilien-App namens "Klinkenwechsel". Damit wollen er und ein Geschäftspartner aus Berlin sich Änderungen bei den Maklergebühren zu Nutze machen und Wohnungsbesichtigungen vereinfachen. Diesen Immoguide entwickelt Nikas derzeit in Berlin. Danach geht es zurück nach Hamburg. Dort wollen die Kindheitsfreunde Timo und Nikas noch ein zweites, kleines Unternehmen gründen: eine Männer-WG. Fragt sich nur, ob mit oder ohne Hund.

App für Hundebesitzer: Damit der Hund kein Couchpotatoe wird

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