Interview mit Filmfest-Chef Neumann: "Konstante Geringschätzung"

Interview mit Filmfest-Chef Neumann: "Konstante Geringschätzung" Live


Torsten Neumann, Chef des Oldenburger Filmfestes. (Foto: dpa)
von Denis Krick

40.000 Euro weniger im Budget: Der Oldenburger Stadtrat hat erneut die im Haushalt eingeplante Förderung des Filmfestes massiv gekürzt. Im NWZonline-Interview spricht Festival-Chef Torsten Neumann über die radikalen Auswirkungen der Sparmaßnahme - und warum sich das für die Stadt eigentlich nicht rechnet. Von Denis Krick

Herr Neumann, 90.000 Euro waren für das Filmfest Oldenburg im Haushalt der Stadt 2015 vorgesehen. Die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat hat diesen Betrag auf 50.000 Euro gekürzt. Was bedeutet dies für das Festival in diesem Jahr?

Neumann: Dass wir auch in diesem Jahr erneut unterfinanziert sind. Die Personaldecke ist dadurch wieder sehr dünn – und der von uns verliehene German Independence Award, der 2014 aufgrund der ständigen Kürzungen eine Zwangspause machte, ist damit endgültig gestorben. Das Herzstück des Festivals fehlt somit in Zukunft aus Kostengründen.

Wie haben Sie von der Kürzung der Mittel für 2015 erfahren?

Ich habe es in der "Nordwest Zeitung" gelesen.

Haben Sie im Vorfeld Gespräche mit der Stadt oder der Politik geführt?

Nein, ich habe allerdings seit Anfang November versucht, ein Gespräch mit dem neuen Oberbürgermeister Jürgen Krogmann zu bekommen. Gestern habe ich eine Rückmeldung mit möglichen Terminen im März bekommen. Über den Haushalt 2015 brauchen wir dann aber wohl nicht mehr reden. Der Zug ist leider abgefahren.

Grünen-Fraktionssprecher Sebastian Beer weist darauf hin, dass das Filmfest aufgrund von Kürzungen bereits in den vergangenen Jahren nur 50.000 Euro von der Stadt bekommen hat. Mussten Sie nicht auch dieses Jahr mit der Kürzung rechnen?

Eigentlich sind wir diese Kürzungen seit 2010 gewohnt, aber trotzdem waren wir in diesem Jahr überrascht. Wir hatten gehofft, dass mit dem neuen Oberbürgermeister, der schließlich auch der SPD angehört, mehr Harmonie herrscht – und dass der Haushaltsentwurf der Verwaltung unbeschadet durch die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat geht. Dass das Filmfest Oldenburg nun trotz dieser Konstellation weniger Geld bekommt, ist natürlich ein klares, aber auch trauriges Statement der Politik.

Woher kommt Ihrer Meinung nach die geringe Wertschätzung?

Vielleicht gibt es Leute im Stadtrat, die der weltoffenen und vielleicht jüngeren Kultur gegenüber skeptisch sind. Und natürlich kommen auch persönliche Abneigungen mir und dem alten Oberbürgermeister Schwandner gegenüber ins Spiel, der immer ein Freund des Filmfestes war. Das Bizarre ist, dass unser Festival von den Zuschauern, den Filmemachern und den überregionalen Medien völlig anders wahrgenommen wird als von einzelnen Lokalpolitikern. Es gibt für mich keine wirklich sachliche Begründung für deren konstante Geringschätzung.

Was spricht abgesehen von interessanten Filmen noch für das Festival?

Wir sind durchaus ein Wirtschaftsfaktor. Unsere Fördermittel werden zu großen Teilen in der Region ausgegeben. Dazu locken wir hunderte Gäste aus ganz Deutschland und dem Ausland an, die ihrerseits während der fünftägigen Festivalzeit Geld in Oldenburg ausgeben. Und auch für das weltoffene Image der Stadt tun wir einiges.

Verliert das Filmfest Oldenburg nach dem endgültigen Wegfall des German Independence Awards überregional nun an Bedeutung?

Das hat einen großen Einfluss für den Stellenwert des Filmfestes. Der Preis hat uns in der deutschen Festivallandschaft in den vergangenen Jahren verdammt weit nach vorne gebracht. Das leuchtende Beispiel ist natürlich der Film „Oh Boy“, der 2012 als Gewinner der Auszeichnung einen unglaublichen Schub bekommen hat – und danach seinen Siegeszug durch die Kinos antrat. Der Verlust des German Independence Award schadet uns wirklich sehr.

Können nicht Sponsoren die Kürzungen der Stadt auffangen und damit den Fortbestand des German Independence Award sichern?

Das ist immer eine gefährliche Annahme in der Kulturförderung. Ich behaupte, dass in der Art und Weise, wie wir mit Sponsoren agieren, durchaus schon an Grenzen gestoßen sind. Die Oldenburgische Landesbank, unser Hauptsponsor, gibt dem Festival inzwischen mehr Geld als die Stadt. Natürlich könnten wir auch einfach zehn „Tatorte“ zeigen und ein billigeres Filmfest auf die Beine stellen – aber dann geht die künstlerische Vielfalt verloren. Das kann doch nicht der Sinn von Kulturförderung sein.

Gehen andere Städte in Niedersachsen wie Emden, Osnabrück oder Braunschweig besser mit ihren Filmfesten um?

Absolut. Alle anderen Städte in Niedersachsen gehen besser mit ihren Filmfesten um als Oldenburg.

Danke für das Gespräch!

Der Trailer zum Filmfest Oldenburg 2014 sorgte in der Kinobranche für Aufsehen.
von filmfestoldenburg via YouTube

Die Zahlen des Filmfestes Oldenburg von 2014
von Denis Krick

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