Optikids: Mit "Tagträumereien" zur eigenen Firma

Optikids: Mit "Tagträumereien" zur eigenen Firma Live

Deutschland, ein Land der Gründer und Erfinder? Eher nicht, die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. In Oldenburg und in den Landkreisen hat sich jedoch eine noch überschaubare, aber lebendige Gründerszene entwickelt. NWZonline stellt in einer Serie die spannendsten Projekte vor und sucht weitere mutige Start-ups: Wer gerade selbst an einer Erfindung tüftelt oder den Schritt in die Selbständigkeit schon gemacht hat, kann sich gerne bei uns melden: inga.wolter@nordwest-zeitung.de.


Jennifer Heeren sucht praktische Baby-Produkte. Und fängt selbst an zu nähen.

von Inga Wolter

Weihnachten 2013, in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, kommt Jennifer Heerens Tochter Emilia auf die Welt. Für die Oldenburgerin und ihren Mann ändern sich schlagartig das Leben und die Sicht auf viele Dinge - auch auf so alltägliche wie Babyschalen und Kinderschuhe.

Jennifer Heerens neueste Kreation: die Kinderschuhe "Happy Feet". Da wird Tochter Emilia neugierig.
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Das Ursprungsprodukt: Jennifer Heerens Allroundtalent "Tagträumer", eine Decke für Babyschale, Buggy und Kinderwagen mit Sichtschutz, Fliegengitter und anderen Gimmicks. Foto: privat
von Inga Wolter
 
 

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Mutter und Tochter sind viel unterwegs.
Mal scheint die Sonne und es blendet, mal stürmt und regnet es. Für all diese Lagen will Jennifer Heeren gewappnet sein. Von provisorischen Lösungen wie mit Haarspangen fixierten Mulltüchern als Sonnenschutz hatte sie schnell die Nase voll. "Irgendwo im Internet werde ich alles finden, was ich brauche", dachte die junge Mutter und suchte. Vergeblich. Darum entwickelte sie den "Tagträumer", eine Decke für Babyschalen, Kinderwagen und Buggys mit Allroundtalent: Neben einer zweiten wärmeren Deckenschicht für den Winter hat sie einen Sichtschutz mit Magnetverschlüssen, ein Fliegengitter und Bänder, mit denen man die Teile, die man gerade nicht braucht, fixieren kann. Auch wächst der "Tagträumer" mit. "Viele Produkte für Babys sind nur kurz nutzbar", weiß Jennifer. Den "Tagträumer" kann man kleinen Babys um die Füße wickeln, sodass sie rundum eingepackt sind. Für größere breitet man sie komplett aus.

Bereits wenige Monate nach Emilias Geburt begann Jennifer mit dem Nähen. "Dann sprachen mich Leute auf der Straße auf meinen Tagträumer an." So kam Jennifer auf die Idee, ihn zu verkaufen. "Meine Nähkünste sind für den Eigengebrauch ok, aber für den Verkauf reichen sie nicht aus." Bevor sie schwanger war, hatte sie nie genäht. Erst dann entdeckte sie ihre "mütterliche Seite", wie die 30-Jährige grinsend sagt. Sie suchte sich eine Schneiderin, entwickelte ein Schnittmuster.

Sind viel unterwegs: Jennifer und Emilia, hier mit der vielseitigen "Tagträumer"-Decke.
von Inga Wolter
Ohne viel Schnickschnack: Jennifer Heeren entwarf schlichte Kinderschuhe. Foto:
MB Fotografie Design
von Inga Wolter
 
 

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Die Dinge nahmen ihren Lauf, aus dem Projekt wurde ein kleines Unternehmen. Jennifer gründete "Optikids", in Anlehnung an die Schiffchen, mit denen Kinder das Segeln lernen. Über 10.000 Euro investierte sie bis jetzt, vor allem für Produktion und Onlineshop. Die schwierigste Aufgabe war es, eine Produktionsfirma zu finden. "Viele Gründer strömen nach Asien", sagt Jennifer. "Ich wollte aber auf jeden Fall in Deutschland produzieren." Auch war ihre Auftragsmenge für Asien für zu groß. Schließlich fand sie eine Textilfirma in Süddeutschland, die den "Tagträumer" nun - größtenteils - produziert. Die Aufsätze, also die obere Schicht der Decke, nähen einige Mütter aus Oldenburg für Jennifer.

Für Logo, Flyer und Onlineshop griff Jennifer, die als Werbekauffrau ins Berufsleben startete, auf alte Kontakte zurück.  "So ging es schneller", sagt sie. Trotzdem zog sich die Gründung über ein Jahr hin. "Es war anstrengend. Auch habe ich mich mal gefragt: Warum mache ich das?" Aber nach und nach seien so viele Menschen - Grafikerin, Webdesigner - involviert gewesen, dass es kein Zurück gab. Für Jennifer bedeutete das viel Arbeit, wenn das Kind schlief. Und Nachtarbeit.

Seit Anfang März verkauft sie den "Tagträumer" und ihre neuen Produkte über den Onlineshop. "Das ist die weitläufigste Vertriebsart", sagt Jennifer. Ein Laden wäre finanziell eine "ganz andere Geschichte". Nach der Decke entwarf Jennifer den "Marshmallow", ein kleines Kissen, das man um  den Griff der Babyschale binden kann. Jennifer: "Ich habe festgestellt, dass viele die Babyschalen mit dem Arm tragen." Das kann eine schmerzvolle Angelegenheit sein, je schwerer das Kind wird. Das Kissen federt den Druck etwas ab. Mit einer Kinderwagen-Befestigung für Schnuller und Kinderschuhen, ihrem neuesten Produkt, vervollständigt Jennifer ihr Sortiment.

Ich wollte inmitten dieser bunten, glitzernden Babywelt etwas Schlichteres schaffen. (Jennifer Heeren)

Bei den Schuhen stand vor allem eines im Fokus:  Weniger Glitzer, keine Prinzessinnen-Bilder. "Für Kinder gibt es oft übertrieben bunte Kleidung", meint Jennifer. "Ich wollte inmitten dieser bunten, glitzernden Babywelt etwas Schlichteres schaffen." So entwarf sie die kleinen weichen Puschen im Mokassin-Stil, die waschbar und somit bei trockenem Wetter für den Spielplatz-Einsatz geeignet sind. Über 20 "Tagträumer" hat Jennifer seit März verkauft, von den anderen Artikeln mehr.

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Jennifer will weitere Produkte auf den Markt bringen, gerne auch den Tagträumer in Läden anbieten. "Das Angebot wird mit meiner kleinen Maus mitwachsen." Bald, wenn endlich eine Kita-Stelle für Emilia gefunden ist, wird sie in ihren Hauptberuf zurückkehren und weiter als Lehrerin arbeiten. Ihren ersten Beruf in der Werbeagentur hatte sie für die Familie aufgegeben. "Das war nicht kompatibel mit einem Kind." Bei der Arbeit für Optikids merkte sie, wie viel Spaß ihr die alte Tätigkeit, das Werben, immer noch machte. "Aber ich bin auch gerne Lehrerin", sagt Jennifer. "Ich habe eben mehrere Leidenschaften." Auch wenn es viel Arbeit war: "Ich war froh, neben dem Kind eine Aufgabe zu haben, die mich gefordert hat, weiter mit anderen Menschen zu tun zu haben und neuen Kontakte zu knüpfen."


Jennifer Heeren stellt ihr Produkte am Samstag, 25. April, ab 12 bis 18 Uhr beim Pop-up-Store  "Ol you need" im Cubes aus, wo sich mehrere kleine Start-ups präsentieren.

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