Ehrensache: Ein schönes Zuhause auf Zeit schenken

Ehrensache: Ein schönes Zuhause auf Zeit schenken Live

Sich weiterbilden, neue berufliche Perspektiven entdecken, soziale Kontakte knüpfen – einfach mal über den Tellerrand schauen: Die Gründe, sich ehrenamtlich zu engagieren, sind vielfältig. NWZonline gibt in der Serie "Ehrensache" einen Einblick in die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Menschen der Region.


von Jantje Ziegeler


Wolfgang Theilmann und Manuela Westerholt engagieren sich seit Jahren im...
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 Ronald McDonald Haus am...
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Breewaterweg 5 in Oldenburg-Kreyenbrück.
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Als Wolfgang Theilmann noch im Dienst war, radelte er auf seinem täglichen Weg zur Arbeit immer an diesem Haus, dem „Ronald McDonald Haus“ am Breewaterweg 5 vorbei. „Was machen die da?“, rätselte der Oldenburger. Irgendwann gab es dort dann diesen Aufruf, dass zwei Liegen gesucht würden. „Die standen bei mir auf dem Dachboden und sind dann hier gelandet“, erzählt Theilmann – und kam zum ersten Mal mit dem Ronald McDonald Haus in Kontakt. Jenem Haus, das Eltern in Ausnahmesituationen ein Zuhause auf Zeit bietet. Denn in den dortigen 15 Apartments wohnen Eltern jener schwerkranker Kinder, welche – nur drei Gehminuten vom Haus entfernt – im Elisabeth-Kinderkrankenhaus behandelt werden.

„Wenn du im Ruhestand bist, fragste da mal an“, überlegte sich Wolfgang Theilmann. Er wollte sich ehrenamtlich engagieren, das Haus gefiel ihm. Auch bei der Agentur Ehrensache der Stadt Oldenburg guckte er sich nach Einsatzmöglichkeiten um – war aber letztlich immer noch so angetan vom Ronald McDonald Haus, dass er hier anfing und seit drei Jahren dabei geblieben ist. Gemeinsam mit Manuela Westerholt, die bereits seit acht Jahren als Ehrenamtliche aktiv dabei ist, kümmert er sich jeden Donnerstagnachmittag für drei Stunden um alle Aufgaben, die anfallen.


Herzlich willkommen: Manuela Westerholt begrüßt Neuankömmlinge im Ronald McDonald Haus.
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In 15 Apartments finden Eltern schwerkranker Kinder hier ein Zuhause auf Zeit.
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Zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen zählen u.a. Gartenarbeit,...
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das Beziehen der Betten und...
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mit einer liebevollen Geste versehen,
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oder auch mal anfallende Arbeiten in der Küche.
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„Es ist schön, dass man hier alles machen kann“, sagt Manuela Westerholt. „Alles“: Dazu zählt zum Beispiel auch die Arbeit am Computer, die Buchhaltung. Das hatte die 57-Jährige zuvor noch nie gemacht. Doch hier lernte sie es – und es macht ihr riesigen Spaß. Da trifft es sich wiederum ganz gut, dass ihr Schicht-Kollege Wolfgang ihr da gerne den Vortritt lässt. „Das hab’ ich jahrelang beruflich gemacht“, erklärt Wolfgang, „da sträub’ ich mich ein bisschen gegen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Ansonsten genießt auch er die Vielfalt der anfallenden Aufgaben. „Ein bisschen Haus- und Gartenarbeit, Handwerker-Tätigkeiten, oder mich um die Geschwisterkinder kümmern, die mit ihren Eltern im Haus wohnen.

Zwar gehört keine seelsorgerische Betreuung zu den Angeboten des Hauses; aber durch den persönlichen Kontakt zu den Eltern leisten die Ehrenamtlichen manchmal einfach durch ihre Anwesenheit Seelsorge. „Einmal hat mich ein Vater angesprochen“, erzählt Manuela Westerholt, „wir saßen eine Dreiviertel Stunde im Kaminzimmer und er hat mir sein Herz ausgeschüttet. Es ging nicht nur um sein Kind, sondern auch das ganze Drumherum. Ich habe ihm einfach nur zugehört. Ich glaube, das hat ihm geholfen.“ Gerade die Väter stünden oft eher hintenan; an erster Stelle stehe das Kind, dann die Mutter, dann der Vater.


Manuela Westerholt schließt die Türen für ein vertrauliches Gespräch im Kaminzimmer.
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Wolfgang Theilmann hat Holz für den Kamin besorgt.
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Im Keller stehen Leihräder für die Gäste bereit; einmal im Jahr kommt ein Ehrenamtlicher vorbei, um sie zu überprüfen.
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Ein lebhafter Ort: Am großen Esstisch im Aufenthaltsraum wird gespielt, gemalt, gegessen - und miteinander geredet und gelacht.
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Ein wunderbarer Moment für die Ehrenamtlichen ist, wenn sie das Glück einer Familie miterleben, die nach langer Zeit endlich wieder nach Hause kann.
„Oder es ist Sommerfest, und du siehst die Familie wieder“, erzählt Manuela Westerholt. Denn auch bei größeren Veranstaltungen wie dem Weltkindertag oder dem Sommerfest, das das Haus jedes Jahr ausrichtet, sind die Ehrenamtlichen ein unverzichtbarer Bestandteil. Dann backen und verkaufen sie zum Beispiel Kuchen.

Jedes Jahr richtet das Haus ein Sommerfest aus - wie hier im Jahr 2010.
Bild: Archiv/Piet Meyer
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Für die Kinder gibt es dann viele "bunte" Aktionen.
Bild: Archiv/Piet Meyer
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Natürlich gibt es auch immer einen Weihnachtsbaum, der hübsch geschmückt wird - wie hier 2002 u.a. mit Schirmherr Horst Milde, Ex-Landtagspräsident (links).
Bild: Archiv/Peter Kreier
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Überhaupt ist im Ronald McDonald Haus alles bis ins Detail liebevoll gestaltet.
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Außerdem gibt es jede Woche zwei besondere Angebote für die Eltern: den Brunch am Dienstag und das Drei-Gänge-Menü am Donnerstag, kreiert von einer ehrenamtlichen Koch-Crew. Auch Wolfgang Theilmann ist hier mit von der Partie. „Das ist sehr toll“, erzählt er, „und ich lerne dabei. Meine Frau freut sich“, sagt er und lacht. „Es gibt sicher Eltern, denen Brunch und Abendessen zu viel sind“, hat Manuela Westerholt festgestellt, „aber den meisten tut der Trubel ganz gut, sie ziehen sich nur ganz selten zurück.“ Das beeindruckt Wolfgang Theilmann: „Es ist klasse, wenn du die Eltern, die so ein Schicksal haben, hier siehst.“ Die beiden schwärmen von der positiven, lockeren und vertrauensvollen Stimmung, von der das ganze Haus erfüllt ist.


Das Klinikum Oldenburg hat einen Film gemacht, in dem Yared Dibaba und Ronald McDonald Haus-Leiterin Iris Neuman-Holbeck das Haus vorstellen.
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Was ein Ehrenamtlicher beim Ronald McDonald Haus mitbringen sollte:

- die Bereitschaft, drei Stunden pro Woche mitzuarbeiten
-
die Offenheit und Toleranz, sich mit Familien in einer schwierigen Lebenssituation auseinanderzusetzen und auf sie einzugehen
-
die Bereitschaft, an internen Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen

 Wie Ehrenamtliche helfen können:

- Begrüßung und Verabschiedung von Eltern bei der An- und Abreise
-
Pflege und Reinigung der Apartments und Gemeinschaftsräume
-
Mitarbeit bei der Haus- und Büroorganisation und bei Veranstaltungen
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Mitwirkung beim wöchtenlichen Frühstück und Abendessen
-
Übernahme der Rufbereitschaft an Wochenenden


Mit einem Blick in die Unterlagen oder durch Nachfragen bei den anderen Mitarbeitern informieren sich die Ehrenamtlichen zu Beginn ihrer Schicht über aktuelle Ereignisse bei den Gästen. Damit man nicht gerade zu jenem Zeitpunkt „Wie geht’s denn?“ fragt, wenn dem Kind zuvor etwas ganz Schlimmes passiert ist.

Mit den kranken Kindern selbst haben die Ehrenamtlichen des Ronald McDonald Hauses übrigens fast nie Kontakt. „Wenn ich ständig nur mit kranken Kindern zu tun hätte, würde ich das auch nicht aushalten“, gesteht Wolfgang Theilmann.

Trotz all der positiven Stimmung – eine Situation gibt es dann doch, bei der Wolfgang Theilmann „am liebsten umdrehen“ und sofort wieder gehen würde: „Wenn ich reinkomme und auf dem Tisch stehen eine Kerze und ein Kreuz…“ Denn das bedeutet: Ein Kind hat es nicht geschafft. Im vergangenen Jahr waren es fünf. „Da ist man ziemlich hilflos“, gesteht der Ehrenamtliche. Dann denke man: „Hoffentlich kenn’ ich die Eltern nicht und begegne ihnen.“ Zwar hatten die Ehrenamtlichen bei einem ihrer monatlichen Treffen schon ein Gespräch mit einer Seelsorgerin, die auch den Umgang mit trauernden Eltern thematisiert hat. Aber wenn ein Kind stirbt, dann gibt es eben keine Standard-Sätze oder -Gesten, findet Theilmann.

 „Mein Name ist Josephine und ich möchte im Namen meiner Eltern DANKE sagen. Ohne das Ronald McDonald Haus hätten meine Eltern mich nicht über zwölf Wochen so gut versorgen können. Ganz besonders schön fanden meine Eltern das Frühstücksbuffet am Dienstag und das Abendessen am Donnerstag, denn da konnten sie sich so richtig verwöhnen lassen. Meine Eltern lernten viele liebe Menschen kennen und fanden neue Freunde. Ihr hattet immer ein offenes Ohr für meine Eltern, sie konnten mit allen Sorgen und auch Freuden zu Euch kommen. Nun freuen wir uns auf zu Hause und kommen Euch sicher besuchen. Herzliche Grüße, Eure Josephine.


Kennen Sie auch jemanden, der ein besonderes Ehrenamt ausübt? Oder sind Sie selbst in einer Einrichtung oder einem Verein besonders engagiert? Dann melden Sie sich gerne per Mail an jantje.ziegeler@nordwest-zeitung.de oder telefonisch unter 0441/99882157.

Falls Sie sich gern ehrenamtlich engagieren möchten, aber nicht wissen, wo, kann Ihnen die Agentur ehrensache der Stadt Oldenburg weiterhelfen.

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