Griff nach leuchtenden Sternen

Griff nach leuchtenden Sternen Live

Ein Buch. Ein Dreier-Gespann. Und bald auch ein Film. Nächstes Jahr kommt der "Sternenreiter" von Jens Koch ins Kino. Mit zwei Produzenten aus Wilhelmshaven wird schon jetzt an der filmischen Umsetzung des Buches gearbeitet. Die Hintergründe, die Herausforderungen und die Wespe, die kurz alle aus dem Konzept brachte.

Von Amina Linke


Der Autor Jens Koch alias Jando und die Produzenten aus Wilhelmshaven, Andree Betten und Christopher Groß, beim Kreativ-Treffen am Bad Zwischenahner Meer (v.l.n.r.)             Bilder: ali
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Auch VJ Christoph Ernst von NWZplay war mit beim Treffen.
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Dreh-Einweisung von Profi zu Profi.
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Genießen die Ruhe am Bad Zwischenahner Meer...
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... Groß, Jando und Betten (v.l.n.r.) tauschen Ideen zum Drehbuch aus.
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Der eine mit Dreitagebart, zerschlissener Jeans und Strickjacke. Der andere mit gestutztem Vollbart, Karohemd und Trilby-Hut. Beide im Gespräch vertieft. Daneben lehnt am Geländer der Dritte im Bunde, die Beine lässig übereinander geschlagen, die graue Mütze in den Nacken gezogen. Kreativen-Treffen eben. In Berlin, in Hamburg, das Trio würde nicht weiter auffallen. Aber hier am Bad Zwischenahner Meer ist das anders.

Passanten beäugen das hippe Gespann neugierig. Reden die da etwa von einem Kinofilm? Von möglichen Drehorten hier in der Region? In der Tat. Der „Sternenreiter“ von Jens Koch alias Jando soll auf die Leinwand kommen. Nächstes Jahr. Am Drehbuch schreibt der Bad Zwischenahner Autor zusammen mit dem Produzenten-Team Christopher Groß und Andree Betten schon jetzt.


Sternenreiter...Kleine Sterne leuchten ewig -Der Buch-und Hörbuchtrailer
von TanjaDream via YouTube

„Wir sind zwar noch ganz am Anfang“, sagt Christopher Groß, der mit Betten 2008 die Produktionsfirma „Puzzle Pictures“ gegründet und sich jüngst die Filmrechte an Jandos Buch gesichert hat. „Aber schon jetzt sprengt das Projekt alles andere, was wir vorher gemacht haben.

Vorher, das waren vor allem zahlreiche Imagefilme, aber auch das überaus erfolgreiche Filmprojekt über die Wilhelmshavener Südzentrale, das in Zusammenarbeit mit der freien Redakteurin Carola Schede entstanden ist. „Fast 500 Meter lang war die Schlange bei der Kinopremiere“, erinnert sich Groß. Das soll der „Sternenreiter“ aber noch toppen.

Und das wird er wohl auch. Das moderne Märchen um einen geheimnisvollen Jungen, der einem gestressten Manager zeigt, was wirklich wichtig ist im Leben, berührt viele. 30.000 Exemplare sind bereits verkauft. Und bald soll das Werk auch auf dem koreanischen Markt erscheinen.


Südzentrale Wilhelmshaven Trailer
von puzzlepicturesGbR via YouTube

„Das Besondere an dem Buch ist für mich, dass es zum Nachdenken anregt, es Ruhe vermittelt“, sagt Jando. Beim Schreiben lässt sich der 44-Jährige Zeit. Oft sitzt er dann am Rostruper Ufer mit Stift und Kladdeblock. „Tagtägliche Ideensammlung für den 3. Bestseller“ steht schwungvoll geschrieben auf der ersten Seite. Ein Geschenk seiner Mutter. Und tagtäglich hat Jando neue Ideen, die er in dem DIN-A4-Format zu Papier bringt. So wie die Steine auf dem Cover türmen sie sich und ragen in den blauen Himmel. Fast könnte man meinen, sie wollen nach den Sternen greifen. Nach den kleinen, denn die, das weiß Jando, leuchten ewig. So wie der Stern des Jungen, den er 2011 im Krankenhaus kennengelernt hat.

Kleine "Alltagsfluchten" finden Sie auch auf der Facebookseite von Jando.

Jando sitzt im Vorraum seines Arztes in der Chirurgie. Kinder vertreiben sich die Wartezeit und spielen in einer Ecke mit Bauklötzen; es ist voll. Doch ein Junge fällt Jando sofort auf. Er hat keine Haare mehr, sitzt im Rollstuhl – und unterhält sich fröhlich mit anderen Patienten. Plötzlich wendet er sich Jando zu, fragt: „Warum bist du hier?“ Jando erzählt ihm von dem Tumor unter seinem Arm, von seinen Sorgen, ob dieser nun gut- oder bösartig ist. Der Junge hört zu, fragt nach, spricht ihm Mut zu. „Ach, das wird schon werden; ich kenn’ das.“ Die beiden treffen immer wieder aufeinander. Der Junge ist im Krankenhaus bekannt, tingelt gern durch die Flure. Dass er sterbenskrank ist, ist Jando klar. Doch das ist nie Thema zwischen den beiden. Sie reden über Rollstuhl-Erlebnisse im Park, über das, was man im Leben noch alles machen möchte. Die Daseinsfreude des Jungen fasziniert Jando – und prägt ihn nachhaltig. Als der Befund nach seiner Operation negativ ausfällt und Jando das Krankenhaus wieder verlassen darf, nimmt er seinen „Sternenreiter“ mit – im Herzen.


Küstenkind Jens Koch.
Bild:
Mandy Vollmer
von amina.linke

Szenenwechsel. Das Kreativ-Trio ist vom Schiffsanleger zurück zu Jandos Haus spaziert und sitzt im Garten bei Kaffee und Butterkuchen. Ein Rotkehlchen beobachtet die Gruppe aus sicherer Entfernung, pickt etwas aus dem Rasen und hüpft weiter. Die Ruhe hier tut gut.

Die Umsetzung des Buches ist spannend genug. Welche Schauspieler kommen in Frage? Wie stellt man am besten die Gedanken der Protagonisten filmisch dar? „Wir haben so viele Möglichkeiten und gemeinsame Ideen, die unsere Herzen höher schlagen lassen“, sagt Andree Betten und sichert sich noch schnell ein Stück Kuchen. Christopher Groß kaut und nickt. „Bei manchen Geschichten findet man den speziellen Pfiff nicht,“ erklärt der 30-Jährige. „Das war beim ‚Sternenreiter’ sofort anders.“ Da gebe es diese Geschichte in der Geschichte, sagt Groß. „Man kann lachen, man kann weinen – so etwas auf Streifen zu bringen, ist genau unser Ding.

Sehen Sie auch das NWZplay-Video zur Reportage.

Plötzlich wird es hektisch am Tisch. Groß fuchtelt mit den Armen. Eine Wespe umkreist ihn, lässt nicht von ihm ab. Betten lacht: „Hast du dich mit Kuchen eingeschmiert, oder was?“ Groß wird nervös: „Wo ist sie?“ Betten: „Hinter dir, die hat sich echt in dich verliebt.“ Jando zieht sich elegant aus der schwarz-gelben Schusslinie: „Ich sorg’ mal kurz für Kaffee-Nachschub.“ Auch Groß springt auf, eilt zu Betten. „Na toll, jetzt lockst du sie zu mir.“ Das Lachen wird lauter. Ein Fenster öffnet sich. Kreativ-Treffen eben. Das fällt auf am Bad Zwischenahner Meer.

Das Wasser, die Weite, es ist diese spezielle Atmosphäre im Nordwesten, die zum Schreiben anregt, sagt Jando und hebt seine Tasse mit dem frisch gebrühten Kaffee an den Mund. Bald ist es soweit: Am letzten Wochenende im Mai steht das finale Treffen von Jando, Groß und Betten an. Für drei Tage haben sie sich in einem Hotel in Wilhelmshaven eingebucht. „Ein Raum mit Blick aufs Wasser“, erzählt Jando. Dort werden die Figuren ausgeschrieben, die komplette Struktur fertig gestellt, die Dialogszenen ausgearbeitet. Dann ist das Drehbuch fertig. „Dann ist Chris an der Reihe“, sagt Jando und zwinkert ihm zu. „Dann geht’s an die Castings“, sagt dieser. Es wird ruhig am Tisch. Die Spannung steigt.


Wer noch mehr von Jando lesen will: Am 8. Mai erscheint sein neues Buch "Traumflieger: Lena schreibt Briefe an Gott". Den ersten Trailer zum Werk sehen Sie hier:

Traumflieger:Lena schreibt Briefe an Gott - Der Trailer
von TanjaDream via YouTube


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