Gründerszene im Nordwesten: Das wurde aus den Start-ups

Gründerszene im Nordwesten: Das wurde aus den Start-ups Live

Rund 20 Existenzgründer und Gründerteams aus dem Nordwesten hat NWZonline im vergangenen Jahr porträtiert. Dabei entstand eine Sammlung aus originellen Ideen, neuen Erfindungen und einzigartigen Angeboten. Aber was ist aus den Start-ups geworden? Gibt es sie überhaupt noch? Was lief gut, was schlecht? Wir haben nachgefragt.

von Inga Wolter

DIE FREIGEISTER Die Existenzgründer Gunnar Sieweke (links) und Mitja Bätzold mussten kämpfen, weckten aber schnell das Interesse für ihren Anti-Kater-Drink. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Startpunkt der Serie war "Freigeist" aus Bremen. "Freigeist" ist ein limonadenartiges Getränk, das gegen den fiesen Kater nach einer durchzechten Nacht helfen soll. Überhaupt nicht verkatert, aber schon mit ein paar Aufstehschwierigkeiten lief das Geschäft für die fünf jungen Gründer an. "Einige Großhändler haben uns unterstützt, andere nicht", sagt Freigeistler Gunnar Sieweke. "Teilweise hat uns das echt stark am Wachstum gehindert." Ein weiteres Problem lag darin, den Gastronomen große Mengen an Freiware zur Verfügung stellen zu müssen. "
Zurzeit werden sie von der Industrie mit Freiware, Marketingartikeln und vielem mehr regelrecht zugeschüttet", so Gunnar. "Das macht es für kleine Getränke-Startups sehr schwer, da wir auf Forderungen treffen, denen wir einfach nicht nachkommen können."

Freigeist in der "Gründerszene im Nordwesten": Gegen das böse Erwachen

Doch die Gründer blieben am Ball. Das Medieninteresse war groß und sie trafen auch Leute, die ihre Idee unterstützten. Viel Zeit raubten ihnen am Anfang die Flaschen-Lieferungen zu den Gastronomen, auf die sie sich fokussiert hatten. Weil Papierkram und Fahrten ihnen über den Kopf wuchsen, stiegen sie schließlich auf Großhändler um.

Ende 2014 starteten sie mit "Freigeist" bei Edeka und machten einen großen Schritt nach vorne. Der Drink ist nun in
Oldenburg, Bremen, Osnabrück, Hannover über Berlin bis nach München vertreten. Aber: "Noch nicht in der Dichte, wie wir uns das wünschen", sagt Gunnar. Mittlerweile haben die Gründer ein Büro in der Bremer Innenstadt. Auch planen sie eine neue Geschmacksrichtung. "Momentan sind wir - offen gesagt - sehr optimistisch." Klar ist aber: "Langfristig muss das Konzept passen. Sonst wird es schwer."


DER PRODUKTDESIGNER Als NWZonline ihn zum ersten Mal besuchte, entwarf und produzierte er seine Möbel noch zu Hause. Mittlerweile hat Ole Marten ein eigenes Atelier. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Schnell bergauf ging es mit "Oma.Design". Produktdesigner Ole Marten, der seine Möbel damals noch in seiner Wohnung entwarf und fertigte, ist in ein Atelier in der Donnerschweer Straße (299) gezogen. "Dort ist jetzt mein Designlabor, in dem ich an Ideen und Prototypen arbeiten kann", erzählt er. "Dort besuchen mich meine Kunden, Freunde und Interessierte zum Austausch." Er feiere "das jeden Morgen aufs Neue, weil es immer sein Traum war". Er knüpfte Kontakte, fand Partner für gemeinsame Projekte und hatte einen ersten Praktikanten, der mittlerweile auch Produktdesign studiert. Bei der ersten "Creative", einer Messe der Kreativwirtschaft in der Bauwerkhalle, präsentierte er "Oma.Design" in Oldenburg erstmals öffentlich. Eine Dauerausstellung einiger Möbel ist in Vechta geplant.

Oma.Design in der "Gründerszene": Oma-Design aus Oldenburg


DIE KREATIVE Sabrina Hoppmann fand ihr Glück in der Selbstständigkeit. Ihr Sortiment hat sie mit der Zeit verändert, aber dem Prinzip "Do it yourself" ist sie treu geblieben. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Als "reisendes Gewerbe" startete die Oldenburgerin Sabrina Hoppmann unter dem Namen "Amorie" mit farbenfrohen Handarbeiten in die Selbstständigkeit. Ob sie mit ihrem Unternehmen die Do-it-yourself-Welle überstehen würde, wusste sie 2014 noch nicht. Inzwischen sieht es aber schwer danach aus: Sabrina baute ihre Verkaufsstellen von fünf auf zehn aus. Auf dem Wochenmarkt ist sie jetzt seltener vertreten. Stattdessen stellt sie ihren Stand öfter bei Großveranstaltungen wie Messen und Stadtfesten auf. Verändert hat sich ihr Sortiment: Bot sie anfangs vor allem Näharbeiten wie Taschen und Schlüsselanhänger an, liegt ihr Hauptaugenmerk nun auf Ohrschmuck, Wickeluhren und Babykleidung. Aber:
"Zu 99,9 Prozent wird immer noch alles selber hergestellt", sagt Sabrina. "Nur Wickeluhren und Glitzerarmbänder werden zugekauft."

Amorie: Vom Glück, selbstständig zu sein


DIE APP-ENTWICKLER: Oliver Krause (links) und Jan van Ahrens lesen über "Sharemagazines" Zeitung. So viele Kunden wie erhofft haben sie noch nicht gewonnen, blicken aber dennoch optimistisch in die Zukunft. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Zeitung lesen im digitalen Zeitalter: Das Oldenburger Gründerteam um Oliver Krause und Jan van Ahrens entwickelte die App "Sharemagazines".
Mir ihr können zum Beispiel Patienten in Arztpraxen, aber auch Kunden in Cafés oder Restaurants kostenlos online Tageszeitung lesen. Vor etwa einem Jahr beteiligten sich fünf Verlage im Nordwesten an der App, in 20 Locations konnte man sie verwenden. "In den letzten Monaten hat sich einiges bei uns getan", sagt Jan van Ahrens. Ihr Portfolio hat sich auf über 120 Tageszeitungen und Magazine vergrößert, die App ist in 50 Locations "vom Bodensee bis an die Nordseeküste" verfügbar. Auch gewannen die Gründer die ersten zahlenden Kunden für sich. "Mit dem Klinikum in Oldenburg ist ein großes Krankenhaus mit der App ausgestattet worden", erzählt Jan van Ahrens. Weitere Kliniken meldeten sich. "Die neueste Sharemagazines-Location haben wir in der Berliner Charité eingerichtet."

Bei allen Erfolgen mussten die Gründer doch eines lernen: "Viele Dinge dauern einfach länger, als man es sich wünscht." Für 2015 hatten sie sich vorgenommen, ihren "digitalen Lesezirkel" bis Ende des Jahres in 1000 Locations anzubieten. Von diesem Ziel sind sie weit entfernt. Als Unternehmen etablierte sich "Sharemagazines" jedoch: Das Team ist inzwischen im Technologie und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) zuhause. "Durch den Umzug konnten wir spannende Kooperationen schließen", sagt Jan van Ahrens. Mit konzentrierter Arbeit und neuen Ideen wollen die Gründer ihre App weiter verbreiten - etwa im Ruhrgebiet, wo derzeit zwei Vertriebsmitarbeiter "Sharemagazines" bei Ärzten, Frisören und in Cafés vorstellen.

Sharemagazines: Die App fürs Wartezimmer




DER SUNNYBOY Bräunungsstreifen an den Armen findet Jan Rosenbrock nicht so hübsch. Darum entwickelte der Bremer ein durchbräunendes T-Shirt. Sein Problem: Der Verkauf lässt nach, sobald der Sommer vorbei ist. (Foto: TanMeOn)
von Inga Wolter

Hilfe für alle, die so gar nicht auf Bräunungsstreifen stehen: Der Bremer Jan Rosenbrock entwickelte ein T-Shirt, das UV-Strahlen durchlässt und somit die berühmten Streifen an den Oberarmen reduziert. Sein größtes Problem: Es ist nicht immer Sommer! Mit dem Herbst ließen die Verkäufe der TanMeOn-Shirts nach. Darum beschloss das Start-up, sich internationaler aufzustellen. "tanmeon.com" ging online. "
Somit können wir unsere Produkte auch für Länder verfügbar machen, in denen die Saison gerade erst beginnt, wenn sie in Deutschland endet", sagt Jan. Bestellungen kamen aus den USA, Spanien, Frankreich, Italien, Russland und Finnland. Das nächste Ziel von TanMeOn: durchbräunende Sportshirts und Sporthosen. 2016 will TanMeOn sein Lager vergrößern und mit einem professionellen Dienstleister für den Versand zusammenarbeiten. 

Tanmeon: Ein T-Shirt für (fast) nahtlose Bräune

DIE GENIEßER NWZplay machte den Test, welche Wurst besser schmeckt - die vom Grill oder die aus dem Toaster? Auf den Wursttoaster folgt nun ein neues Produkt: der Wurster, das Produkt für den Privatgebrauch. Foto: Gründer Steffen Meissner serviert eine frisch getoastete Wurst. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Das Unternehmen "Smartwurst" richtete sich mit seinem Wursttoaster vor allem an die Gastronomie. "Allerdings haben wir immer wieder Nachfragen von privaten Nutzern gehabt", berichtet Felix Rennies. "Die konnten wir leider nicht bedienen." Wollten sie aber. Darum machten sie sich auf die Suche nach einem großen Partner für eine Kooperation. Das gestaltete sich schwierig. "Mit Hilfe eines Oldenburger Unternehmensberaters sind wir aber fündig geworden", sagt Felix. Mit der Firma Severin bringen die Gründer ab Ende November ihren Toaster für den privaten Gebrauch, den "Wurster" auf den Markt. Felix Rennies ist mittlerweile nach Berlin gegangen und arbeitet für eine Firma im Bereich Produktentwicklung. Smartwurst-Mitgründer Marco Bruns baut eine Gesellschaft für Gründungsfinanzierung mit auf. Um das Geschäft mit dem Gastronomie-Toaster kümmern sie sich nach Feierabend. Mit "Feuer und Flamme" starten sie in das neue Geschäft mit dem Wurster - zumal sie nach eigenen Angaben schon "reichlich" Vorbestellungen haben.

Smartwurst: Wursttoaster und Männermarmelade



DIE VEGGIEMAID Alle Hände voll zu tun hat Stefanie Coors (links) in ihrer Snackbar am Damm. Mit ihrem Vegan-Supermarkt wird sie nun neben die Snackbar ziehen. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Mit einigen bösen Überraschungen hatte "Veggiemaid" Stefanie Coors in ihrer Snackbar am Damm in Oldenburg zu kämpfen: Ein Elektrogerät nach dem anderen ging kaputt, darunter die Gastrokaffeemaschine. Gut ein Jahr nach der Eröffnung sei das Team aber gut eingespielt. Außerdem hat sie die Speisekarte erweitert und die Snackbar etwas umgestaltet. Stefanie Coors, die in der Gartenstraße einen veganen Supermarkt betreibt, stellte zudem neue Beschäftigte an. "In den nächsten Monaten steht nochmal eine große Veränderung an", sagt sie. Sie will mit dem Veganshop auch an den Damm ziehen, hat bereits eine Immobilie gekauft.
"Die Zusammenlegung der Geschäfte ist eine große Chance und bietet ganz neue Möglichkeiten", sagt die Gründerin - zumal sie derzeit einige Kunden an die Discounter verliere. Die haben ihr veganes Angebot aufgestockt. "Mit dem Umzug werden auch die Arbeitsabläufe wesentlich vereinfacht, da keine Distanz mehr zwischen den Geschäften liegt."

"Veggiemaid": Auf einen Kaffee mit Sojamilch


DER MOTIVATOR André Janacek leitete lange das Ersatzteillager in einem Autohaus. Jetzt bringt er als Personal Trainer seine Kunden auf Touren. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Personal Trainer André Janacek kam flott ins Rotieren: Seine Kundenzahlen stiegen. Er musste sich neu organisieren. Anfang Oktober 2015 eröffnete er sein eigenes Personal-Training-Studio, mit zwei Physiotherapeuten, einem weiteren Personal Trainer und einer Kursleiterin, die sich als Selbstständige bei ihm einmieteten.
"Ich bin zuversichtlich, dass der Personal-Training-Markt in Oldenburg noch nicht gesättigt ist", sagt André. "Auch eine Ausweitung meiner Dienstleistungen ist in Planung. Zusätzlich möchte ich meinen Namen aus dem Unternehmen entfernen und das Konzept "PT-Oldenburg" als Firma weiter in den Vordergrund stellen." Dafür wird er neue Mitarbeiter suchen, was "wohl die schwierigste Aufgabe in der Zukunft" sein wird.

Personal Training: Sein Job ist die Motivation


DIE PHYSIOTHERAPEUTIN Corinna Ciesla besucht ihre Patienten und Kunden zu Hause. Die Idee des Mobilen war ausschlaggebend für ihre Gründung. Jetzt will sie sich auch sesshaft machen. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Sie bringt Massage, Physiotherapie und Wellness in die eigenen vier Wände: Als "One Woman Show" startete Physiotherapeutin Corinna Ciesla im November 2014 in die mobile Medical Wellness. Jetzt hat sie drei Angestellte, ihr Unternehmen hat sich also weiterentwickelt. Schwierig sei es allerdings schon, qualifiziertes Personal zu finden, sagt Corinna Ciesla. "Das bremst im Moment unser Wachstum am stärksten." Anfang 2016 will sie ihre Plan, stationäre PhysioCare-Studios in Oldenburg und Bremen zu eröffnen, in die Tat umsetzen.

Medical Wellness: Wo die Entspannung an der Haustür klingelt


DER JINGLE-MACHER Das Geschäft mit der gemafreien Musik läuft bei Kai Teusner eher nebenbei. Der Musikpädagoge aus Oldenburg hat aber mehrere Standbeine und somit keinen Druck. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Kai Teusner arbeitet hauptberuflich als Musikpädagoge an einer Förderschule, mit einer halben Stelle. Unter dem Namen "Groove Identity" gibt er zusätzlich Bass-Unterricht und produziert gemafreie Musik. Seinen Unterricht, so erzählt Teusner, habe er ganz gut ausbauen können. Neue Räume seien dazugekommen. Mit der Jingle-Produktion gelang dem Gründer kein Durchbruch. Trotzdem bleibt er dabei:
"Die Produktion gemafreier Musik erhält im bestehenden Umfang (exklusiv und individualisiert) Bestand." Der Markt sei klein und dabei stark umkämpft. Darum setzt Teusner weiter auf das lokale Geschäft und Mundpropaganda.

Groove Identity: Der Jingle-Macher aus Oldenburg


DIE HUNDE-EXPERTEN der Oldenburger Agentur "Top Dogs Media" - links im Bild Geschäftsführer Eike Adler - brachten eine App für Hundebesitzer auf den Markt und wagten sich damit auch in die VOX-Gründer-Show "Höhle des Löwen". (Foto: Top Dogs)

von Inga Wolter

Aufregend verlief das Jahr für die Gründer der Oldenburger Agentur "Top Dogs Media": Sie wagten sich in die "Höhle des Löwen". Mit dem Unternehmer Frank Thelen gingen sie durch mehrere Runden in der VOX-Gründer-Show. Schlussendlich investierte er dann doch nicht ins Unternehmen. Erfolgreich verlief der Start von
"My Dog 365", einer App mit Video- und Textanleitungen für Hundebesitzer auf der Suche nach neuen Herausforderungen für ihren Vierbeiner. Vor Aufzeichnung der Sendung wurde die App 20.000-mal heruntergeladen, danach 100.000-mal.

Finanziell durchlebten die Top Dogs wie viele Gründer eine Talfahrt, durch die sie sich jedoch hindurchkämpften. Auf Investments sind sie nun nach eigenen Angaben nicht mehr angewiesen. Sie tragen sich selbst durch Einnahmen aus Agentur und App. "
Dennoch sprechen wir aktuell mit interessierten Investoren über eine mögliche Beteiligung an unserem Unternehmen, um das bevorstehende Wachstum mit größeren Schritten anzugehen", sagt Eike Adler, der "Top Dogs" mit Maik Thomas 2006 gründete. Neben "My Dog 365" bieten die Oldenburger Medien, Marketing und Online-Strategien rund um den Hund an. Hier bauten sie ihre Angebote aus - auch mit Workshops wie "Social Media für lokale Unternehmen".

Top Dogs: Damit der Hund kein Couchpotatoe wird


DIE KÄMPFER Zu Anfang mussten Nikas Günther (links) und Timo Grützner sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Nun kämpfen sie mit Bloggern und Promis für ihr Produkt, eine Hunde-Überraschungsbox. (Bilder: Anna Daki)
von Inga Wolter

Nikas Günther und
Timo Grützner von "Who Cares" streckten die Fühler aus: Mit ihrer Hunde-Überraschungsbox, der "Wauwaubox" schlossen sie Kooperationen, zum Beispiel mit dem Blog "Herrchen kocht". "Regelmäßig haben wir auch Anfragen aus dem Ausland bekommen", erzählt Nikas. Darum sind sie gerade dabei, ihre Webseite umzubauen. Künftig wollen sie ihre Wauwauboxen in alle Welt verschicken. Zwar haben sie schon jetzt Kunden in Frankreich, England, Ungarn, Polen und Österreich, die Bestellung läuft aber noch über Umwege per E-Mail. Auch bauen sie ihre Zusammenarbeit mit Bloggern und Promis aus: "Unser neuester Fan ist Ralph Morgenstern mit seinem Mops Twiggy", erzählt Nikas. Neben dem Moderator probierten Designer André Borchers und Verena Kerth die Überraschungsbox für ihre Hunde aus. "Mit Influencern (Partnern, die ein Produkt empfehlen) zusammenzuarbeiten, ist uns sehr wichtig", erklärt Nikas. "Empfehlungsmarketing sorgt für eine nachhaltige Kundenbindung."

Who Cares: Mit der Wauwaubox in den Konkurrenzkampf

DIE TÜFTLER Von ihrem Hausnotrufsystem mussten Ralf Eckert und Thomas Frenken potentielle Käufer erst einmal überzeugen. Jetzt stellten sie auf einen indirekten Vertrieb um. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Ralf Eckert und Thomas Frenken (Oldntec) entwickelten ein Hausnotrufsystem: "Ambiact". "Das beherrschende Thema für uns war der Vertrieb", sagen sie etwa ein Jahr später. "
Wir haben gelernt, dass ein positives Feedback zum Produkt noch keine Kaufentscheidung ist und man sehr viel Zeit in Abschlüsse investieren muss." Das war zäh. Zunächst investierten sie viel Aufwand und viel Geld - mit wenig Erfolg. Weil der Verkauf aber trotzdem anlief, kamen einige große Unternehmen auf die Gründer zu und boten an, den Vertrieb zu übernehmen. So stellen die beiden nun größtenteils vom Direktvertrieb auf indirekten Vertrieb um. "Die Etablierung steht dank der anstehenden Verträge mit den Großen der Branche kurz vor der Verwirklichung", sagt Thomas Frenken. Kontakt zu größeren Hausnotrufanbietern im Ausland haben sie aufgenommen. Auch planen sie ein zweites Produkt - eine Variante für pflegende Angehörige oder den Einsatz in der Nachbarschaftshilfe, für das sie noch Geldgeber suchen.

Ambiact: Eine Idee gegen den falschen Alarm


DER "ALTE HASE" Michael Gallasch war schon lange in der Fahrradbranche tätig, bis er sich mit einer innovativen Idee selbstständig machte. Die baut er immer weiter aus. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Voll in die Pedale trat Michael Gallasch für sein Manufakturrad-Geschäft "Bremer Rad". In diesem Jahr bekam er Geld von der Bremer Wirtschaftsförderung, mit dem er seinen Onlineshop komplett neugestaltete. Der Shop funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie der Laden: Der Kunde wird vermessen und bekommt so ein Rad, das möglichst gut zum jeweiligen Körperbau passt. Aber auch individuelle technische und optische Wünsche werden erfüllt. Gallasch integrierte neue Innovationen und nahm weitere Lieferländer auf. In den nächsten drei Jahren will er den Onlineshop noch erweitern. Inzwischen erreichen ihn und sein Team auch Anfragen aus dem Ausland. "Die inspirieren uns zusätzlich", sagt er.

Bremer Radhaus: Per Popometer zum Lieblingsfahrrad



 DIE SYSTEMATISCHEN Ordnung haben will jeder. Ordnung halten ist eine andere Sache. Das erfuhr auch "Amagno", Anbieter einer Dokumentenmanagement-Software. Der Kampf gegen das Chaos geht aber weiter. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Gegen die Papierflut in deutschen Büros kämpft das Oldenburger Unternehmen "Amagno" an - mit einer Software für Dokumentenmanagement. Doch zunächst nahmen die Gründer den Kampf gegen den Feind "Gewohnheit" auf, wie Chef Jens Büscher sagt.
"Die rechtlichen Erfordernisse für Firmen sind erdrückend, um eine Dokumentenmanagement Software einzusetzen. Allein schon bei allen Firmen, die wichtige E-Mails ausdrucken statt notwendigerweise digital und rechtssicher abzulegen." Dennoch steigerte Amagno seinen Umsatz und will erste Schritte in den internationalen Markt wagen. Vor allem im Mittelstand sei die Wiese in dieser Branche noch "grün". Zu Büschers Erstaunen sitzen fast alle Kunden zwischen Ruhrgebiet und Schweiz und kaum in Norddeutschland. "Vermutlich werden wir eher einen Kunden in New York haben als in Leer", vermutet er und schmunzelt.

Amagno: Der Kampf gegen die Papierflut


DER INDIVIDUALIST Produktdesigner Sascha Akkermann ist zufrieden mit seiner Arbeit. Mit einem hat er aber zu kämpfen: Andere Designer kopieren seine Möbelserie. (Foto: Wolter)
von Inga Wolter

Mit seiner Produktwerft zog Sascha Akkermann vom Hafen in eine "sehr ruhige Werkstatt" in einem alten Bauernhaus in Wüsting nahe Oldenburg. Er arbeitet weiterhin allein, zusätzlich in einer Jugendwerkstatt in Kirchhatten. "Das gefällt mir sehr gut", sagt Sascha. Was ihm nicht gefällt: Immer wieder kopieren andere seine Möbel. "Die Produktwerftserie ist sehr leicht nachzumachen", meint er. Einige Handwerker oder Designer hätten seine Formensprache in Kombination mit den Materialien nachgeahmt. "Damit habe ich sehr zu kämpfen. Auf der einen Seite macht es mich stolz. Wirtschaftlich ist es jedoch ein Desaster." Andererseits ist es für Sascha nicht das "immer das Wichtigste", sich zu etablieren oder zu wachsen. "Ich
empfinde es als viel wichtiger, das zu tun, was einem Spaß macht und Befriedigung bringt."

Produktwerft: Schlüsselerlebnis beim Möbelbau

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