Gründerszene im Nordwesten: Eine Idee gegen den falschen Alarm

Gründerszene im Nordwesten: Eine Idee gegen den falschen Alarm Live


Deutschland, ein Land der Gründer und Erfinder? Eher nicht, die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. In Oldenburg und in den Landkreisen hat sich jedoch eine noch überschaubare, aber lebendige Gründerszene entwickelt. NWZonline stellt in einer Serie die spannendsten Projekte vor und sucht weitere mutige Start-ups: Wer gerade selbst an einer Erfindung tüftelt oder den Schritt in die Selbständigkeit schon gemacht hat, kann sich gerne bei uns melden: inga.wolter@nordwest-zeitung.de.

Ambiact - Eine gute Idee zur passenden Zeit

Ein Hausnotrufsystem für alte Leute? An so eine Erfindung denken viele junge Leute sicher nicht, wenn sie sich selbstständig machen wollen. Tatsächlich war "Ambiact" zunächst eine "abstrakte Idee" der Johanniter und des Offis (Institut für Informatik Oldenburg), wie Ralf Eckert berichtet. Man wollte es weiterentwickeln, wenn mal Zeit dafür wäre.

Ralf Eckert (links) und Thomas Frenken zeigen an einem Modell, wie das Hausnotrufsystem funktioniert. (Foto:Wolter)
von Inga

Ralf Eckert und Thomas Frenken übernahmen das. Sie bewarben sich um ein Exist-Gründerstipendium, ein Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie – und überzeugten: Sie bekamen das Geld.

Damit finanzierten sie die Entwicklung des „Ambiact“-Prototyps. Ein Jahr lang hatten sie Zeit, um den Zusatzsensor für Hausnotrufsysteme zu perfektionieren und in einem zweiten Feldtest in 20 Haushalten – alle Kunden der Johanniter – zu prüfen. Sie machten den Prototypen, der schon vorher während eines Forschungsprojekts in 70 Haushalten getestet wurde, serienreif. „Wir haben ziemlich viel Kuchen gegessen in der Zeit“, sagt Thomas.

Ambiact: Hausnotruf mit Komfort
von NWZplay via YouTube

Bei herkömmlichen Systemen müssen die Senioren innerhalb von 24 Stunden auf den Knopf drücken, um zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Sollte es nicht geschehen, kann es ein Zeichen dafür sein, dass sie hilflos auf dem Boden liegen. Doch der Haken ist:
„Viele vergessen das Zurückschalten. Die Zahl der Fehlalarme ist hoch“, sagt Thomas. Der Alarm ruft die Johanniter oft ohne Grund in die Wohnung. Das ist vielen alten Leuten peinlich. Der Unterschied zwischen herkömmlichen Hausnotrufsystemen und Ambiact: Die alten Leute müssen nicht daran denken, die Sicherheitsuhr alle 24 Stunden zurückzusetzen. Fehlalarme aus Vergesslichkeit werden dadurch verhindert, ein schlechtes Gewissen vermieden.

So entwickelten die Gründer einen Stecker, den man zwischen Steckdose und ein elektrisches Gerät – zum Beispiel den Wasserkocher – anschließt. Jedes Mal wenn der Bewohner Wasser kocht, setzt sich der Alarm automatisch per Sensor zurück. „Das System ist zuverlässig, weil man für viele tägliche Aktionen im Haushalt elektrische Geräte benutzt“, sagt Ralf. Wenn Ambiact also den Alarm auslöst, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt – zum Beispiel der Bewohner gestürzt ist.

Mir gefällt der Mix aus Informatik, Technik und dem sozialen Aspekt der Arbeit. Es ist schön, dass wir etwas entwickeln, das den Leuten hilft und nicht nur weiter Angst vor Datenklau macht. Ralf

Zurzeit machen Ralf Eckert und Thomas Frenken den Zusatzsensor für Hausnotrufsysteme verkaufsfähig.
Er sei auf dem besten Weg, um bald bei den ersten Johanniter-Kunden als Produkt zum Einsatz zu kommen. Oldntecs Vorteil: Über die Johanniter erreicht das Angebot genau die Menschen, die es brauchen – ein günstiger Start für Oldntec. Auch während der Entwicklungsphase standen sie im ständigen Kontakt zu den alten Menschen, kannten ihre Bedürfnisse genau.

So funktioniert das Hausnotrufsystem: Der Stecker wird zwischen ein elektrisches Gerät - hier der Wasserkocher - und die Steckdose geschaltet. Foto: privat
von Inga

Doch hatten die Gründer auch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen: „Nie wieder machen wir ein Elektroprodukt“, meint Ralf halb im Ernst, halb im Spaß. Zu viele Prüfungen habe Ambiact durchlaufen müssen: CE-Test, DIN-Normen… „Dafür haben wir viele Tausend Euro ausgegeben. Das macht die Geldmittel knapp.

Wir kümmern uns bei Ambiact um ein fassbares Probleme. Alle Leute haben was davon – das ist das Charmante. Die Technik mache alten Menschen ein längeres Leben zu Hause möglich. Thomas

Die Gründer denken auch schon einen Schritt weiter.
„Wir haben noch Ideen für weitere Versionen“, sagt Ralf. So könnte man vielleicht Sensoren ans Bett oder an die Toilettenspülung koppeln. Der Alarm könnte sich dann beim Hinlegen oder bei der Toilettenbenutzung zurückstellen.

Auch könnten sie den Kundenkreis auf Privatpersonen erweitern. „Dann würde nicht der Hilfsdienst, sondern die Tochter oder der Sohn eine Nachricht aufs Handy bekommen, wenn der Alarm nicht zurückgeschaltet wird“, sagt Thomas. Vielleicht werden sie die Technik auch so weiterentwickeln, dass sie direkt in den Stromkasten verbaut werden kann.

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Ralf und Thomas waren für die Umsetzung von Ambiact zur rechten Zeit zur Stelle. Sie wussten: Der Bedarf ist da, ihre Chancen stehen gut. Ihr heißer Tipp für andere Gründer: „Sich frühzeitig um die Finanzierung kümmern und alle Möglichkeiten zu prüfen!"

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