Gründerszene im Nordwesten: Der Jingle-Macher aus Oldenburg

Gründerszene im Nordwesten: Der Jingle-Macher aus Oldenburg Live

Deutschland, ein Land der Gründer und Erfinder? Eher nicht, die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. In Oldenburg und in den Landkreisen hat sich jedoch eine noch überschaubare, aber lebendige Gründerszene entwickelt. NWZonline stellt in einer Serie die spannendsten Projekte vor und sucht weitere mutige Start-ups: Wer gerade selbst an einer Erfindung tüftelt oder den Schritt in die Selbständigkeit schon gemacht hat, kann sich gerne bei uns melden:
inga.wolter@nordwest-zeitung.de.


Groove Identity: Der passende Sound zum Bild

von Inga Wolter

Kai Teusner wundert sich manchmal. Musik spielt im Film, in der Werbung, eine große Rolle. Die meisten Homepages aber sind stumm. Klar, es ist ein bisschen nervig, wenn man eine Homepage öffnet und sofort beginnt die Dudelei. Vor allem, wenn man in einem Großraum-Büro arbeitet. Dennoch fragt der Oldenburger sich, warum Werbung so optisch orientiert ist. Und so wenig akustisch.

Kai Teusner in seinem Studio: Hier produziert der Oldenburger Musik für Werbung, Präsentationen, Internetauftritte und Imagefilme. Foto: Wolter
von Inga

Der 37-Jährige arbeitet hauptberuflich als Musikpädagoge in einer Förderschule. Er hat keine volle Stelle und geht darum zwei weiteren Leidenschaften nach: Unter dem Namen "Groove Identity" gibt er Bass-Unterricht und produziert gemafreie
Musik für Werbezwecke: Jingles sowie Trailer- und Begleitmusiken für Präsentationen, Internetauftritte und Imagefilme.

Als Musiklehrer arbeitet Teusner schon länger. Warum gerade Bass? Wer will das lernen? Die Groupies stürzen sich doch lieber auf Sänger oder Gitarristen. "Bass-Spieler sind vor allem Leute, die rhythmisch orientierte Musik hören", sagt er. Eine typische Bass-Band sind die Red Hot Chili Peppers. Auch Soul-, Funk- und Jazz-Liebhaber seien unter den Bass-Fans.

Red Hot Chili Peppers - The Adventures of Rain Dance Maggie [Official Music Video]
von Red Hot Chili Peppers via YouTube

"Vor allem sind Bass-Spieler Leute, die bewusst Musik hören", sagt Teusner. Oder Ablenkung suchen. Teusner sieht sich als "Personal Trainer". Nur für Musik und nicht für Sport. Instrumental-Unterricht kann anstrengend sein. Viele springen irgendwann ab. Oft, wenn die Übungen komplizierter werden. Oder die Zeit fehlt. Der Stress im Beruf zu groß ist. Teusner versucht diesen Problemen, diesen Ausflüchten, entgegenzuwirken. Sein Auftrag sei es, ihnen einen Weg zu zeigen, wie sie "ästehtisch schöner" werden, sich etwas Neues trauen und mit Hilfe der Musik Grenzen überwinden könnten.

"Manchmal bleibt eine Tür geschlossen", sagt Teusner. Das müssten die Schüler dann akzeptieren. Schwierige Übungen breche er aber auf ein Mininum herunter. So lasse sich zum Beispiel auch Improvisieren nach und nach lernen.

Den zweiten Teil seiner Selbstständigkeit, die er sich durch seine feste Stelle leisten kann, entwickelte Teusner aus dem Instrumental-Unterricht heraus. Für seine Schüler mischte er öfters Playback-Stücke, als Begleitung beim Üben. Irgendwann dachte er sich: Die Musik ist eigentlich zu schade, um sie nur im Unterricht zu benutzen. Aber auch keine Kunst. "Eine CD kann man davon nicht herausbringen", sagt er selbst. Aber als Hintergrund-Musik könnte sie was taugen.

Hörbeispiele von Groove Identity für Begleitmusik.
von Inga

"Produktunterstützende Audioleistung", nennt Teusner die Stücke. Oder Gebrauchsmusik. Fahrstuhl-Musik würde man umgangssprachlich sagen. Teusner malt sich keinen Riesenerfolg aus, weil es bereits einen großen Markt für gemafreie Musik gibt. "Im Gegensatz zu anderen Anbietern kaufen meine Kunden sich aber die kompletten Exklusivrechte ein", sagt Teusner. Das bedeutet, dass sie die Musikproduktionen für verschiedene Zwecke - und zum Beispiel nicht ausschließlich für einen Werbefilm - nutzen dürfen. Ab 195 Euro kann man bei Groove Identity die Lizenz für eine Begleitmusik kaufen.

Wegen der Konkurrenz fokussiert Teusner sich auf das, was er am besten kann. So spielt auch in seiner Gebrauchsmusik - meist poppige Stücke mit starkem Rhythmus - der Bass eine große Rolle. Er versucht zu individualisieren. Teusners Stücke sind ein Mix aus Software- und echten Instrumenten, produziert am Rechner in seinem Heim-Büro über der Oldenburger Wohnung.
Für seine Ausrüstung - Rechner, Monitor, Mischpult, Keyboard - blätterte Teusner ein paar Tausend Euro hin, "mehr, als man in ein Hobby investiert".
Vor zwei Jahren startete er mit der Vermarktung auf seiner Homepage.

Aber er kann es entspannt sehen. Für den Vater von zwei Kindern ist es ein Segen, zu Hause arbeiten zu können. Als Kleinunternehmer ist er im Gegensatz zu anderen Gründern nicht auf die Einnahmen aus Groove Identity angewiesen. Er setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Und den Spaß an der Musik.

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