Charity Children: Auf Festivals machen wir das, was wir lieben

Charity Children: Auf Festivals machen wir das, was wir lieben Live

von Inga Wolter

Elliott McKee und Chloe Lewer verließen vor drei Jahren ihre Heimat in Neuseeland und kamen nach Berlin. Das Pärchen schlug sich als Straßenmusiker durch. 2013 veröffentlichten Elliott (27) und Chloe (25) als „Charity Children“ ihr erstes Album. Zurzeit tourt die mittlerweile sechsköpfige Indie-Folk-Band durch Europa und spielt am Sonnabend auch beim Freifeld-Festival in Oldenburg.

Im Telefoninterview mit Online-Redakteurin Inga Wolter erzählte Sängerin Chloe von ihrer ersten Zeit in Berlin, ihrer Liebe zu Elliott und der besonderen Stimmung bei Musikfestivals. Dazu gab es eine kleine Lesung aus ihrem Lieblings-Kinderbuch.

Spielen Indie-Folk: Charity Children Berlin. Chloe Lewer und Elliott McKee (3. und 4. v.l.) starteten in Berlin als Straßenmusiker. Mittlerweile musizieren sie zu sechst. Foto: Pressebild Charity Children

Hallo Chloe! Euer Konzert beim Freifeld wird NWZonline am Sonnabend als Livestream übertragen (23. August, ab circa 17 Uhr). Ich bin gespannt! Ein paar Songs habe ich mir schon angehört. "I wish, I wish" und "Empty Vicious Nights" gefallen mir am besten. Was war eure Inspiration für diese beiden Lieder?

„I wish, I wish“ war einer der ersten Songs, die Elliott und ich zusammen geschrieben haben. Grundlage dafür war ein Gedicht.  Der Song handelt von einem Mädchen, das ihr Baby verliert. „Empty Vicious Nights" ist die zweite Single, die wir herausgebracht haben. Es geht um eine Liebesaffäre in einem Motelzimmer. Auf einer Ausstellung waren mir eben diese drei Wörter einer Kunstinstallation ins Auge gesprungen: Empty Vicious Nights. Ich notierte sie. Als ich vor einem Auftritt als Theaterschauspielerin in einem Motel wohnte, kam mir passend dazu die Geschichte über eine Liebesaffäre in den Sinn, die sich in einem wirklich schmutzigen, schrecklichen Motelzimmer zuträgt. Eine Liebesaffäre, die nicht sein darf.

I Wish, I Wish - Charity Children
von charitychildren via YouTube

Charity Children - Empty Vicious Nights
von charitychildren via YouTube

Ihr lebt seit drei Jahren in Berlin. Warum seid ihr aus Neuseeland weggegangen?

Elliott hatte in Dublin Philosophie studiert. Er war in Europa herumgereist und hatte auch eine Woche in Berlin verbracht. Ihm war klar, dass er dorthin zurückkehren und dort leben würde. Die Stadt hatte ihn inspiriert. Als er nach Neuseeland zurückkam, buchte er mit einem Freund ziemlich bald einen Flug nach Berlin. Dann lernten wir uns kennen.

Kurz vor dem Aufbruch?

Ja, als wir uns trafen, war er schon fast auf dem Weg. Wir verliebten uns und ich beschloss, ihn auf seinem Berlin-Abenteuer zu begleiten. Wir waren beide an einem Punkt im Leben, an dem wir neue Orte und neue Inspirationen gut gebrauchen konnten.

Eure erste Zeit in Berlin war hart. Ihr hattet kein Geld. Warum seid ihr trotzdem geblieben?

Ja, als wir nach Berlin kamen, hatten wir nicht viel Geld. Auch hatten wir gar keine Ahnung, was wir dort arbeiten würden. Zuhause hatten wir mit unserer Familie und Freunden darüber gewitzelt, dass wir auf der Straße spielen würden. Wir waren aber  keine Musiker. Ich konnte vielleicht fünf Akkorde auf der Gitarre spielen. Eliott hatte mal Ukulele und Harmonika gespielt. Da wir damals gar kein Deutsch sprachen, bekamen wir keinen Job. Darum überlegten wir dann wirklich, einfach auf die Straße zu gehen und Musik zu machen. Wir spielten etwas nervös einige einfache Ukulele-Songs. So begann es. Dann schrieben wir unsere eigenen Songs und spielten überall in Berlin. Wir machen jetzt immer noch auf der Straße Musik.

Was war euer schönstes Erlebnis als Straßenmusiker?

Besonders schöne Momente hatten wir im Mauerpark in Berlin. Dort trifft man vor allem sonntags viele Musiker. Im Mauerpark haben wir einmal an einem sehr schönen, sonnigen Tag gespielt. Die anderen, wundervollen Musiker haben uns sehr inspiriert. Der Mauerpark ist ein herrlicher Ort.

Wenn du dir was wünschen dürftest: Wo würdest du am liebsten einmal mit Charity Children auftreten?

Es gibt so viele Orte, an denen wir noch nicht gespielt haben. Es wäre toll, nach Neuseeland eingeladen zu werden, dort zu spielen und unsere Familien wiederzusehen. Dann würden wir die ganze Band mitnehmen! Wir sind ja zu zweit gestartet und spielen jetzt zu sechst. Wir sind jetzt eine richtig große Band.


Charity Children Berlin - Butterflies /// Berlin Sessions #40
von berlinsession via YouTube

Warum habt ihr euch Charity Children genannt?

Der Name stammt aus einer Kindergeschichte von Oscar Wilde, „The Happy Prince“. Elliot hat mir dieses Buch am Anfang unserer Beziehung vorgelesen. Kurz bevor wir nach Deutschland kamen, haben wir ein schönes, altes Klavier bekommen. Wir nannten es „The Happy Prince“.  Wir fanden heraus, dass es 100 Jahre alt ist und in einem Laden gebaut wurde, der heute eine Bar ist. Ausgerechnet in dieser Bar hatten Elliot und ich uns zum ersten Mal getroffen. Eine lustige Geschichte. Jetzt lese ich dir mal einen Ausschnitt aus der Oscar-Wilde-Geschichte vor (blättert und liest eine Passage). Wir dachten, dass wir wie die Charity Children in dem Buch sind: Wir leben auf der Straße, mit idealistischen Vorstellungen. Wir lebten von der Barmherzigkeit anderer Leute, ihrem Geld, ihrer Unterstützung.

Am Samstag tretet ihr hier in Oldenburg auf. Kennt ihr Norddeutschland ein bisschen?

Nicht so gut, wir sind gespannt. Aber wir haben gehört, Oldenburg soll wunderschön sein.

Ja, es ist sehr schön! Lass uns noch ein wenig über Festivals reden. Auf welchen habt ihr schon gespielt?

In diesem Jahr waren wir bei vielen Festivals. Erst letzte Nacht sind wir von zwei Festivals zurückgekehrt. Wir haben auf einem großen in Budapest und auf dem 3000-Grad-Festival in Mecklenburg-Vorpommern gespielt. Im Moment touren wir durch Österreich, Deutschland, Ungarn und die Schweiz.


Charity Children - To See You Smile (MDV Project)
von charitychildren via YouTube

Was magst du an Festivals?

Die Stimmung, die Freiheit. Leute gehen zu Festivals, um aus ihrem Alltag zu flüchten, Musik zu hören, Spaß zu haben, sich frei zu fühlen. Ich spüre dort die großartige Unterstützung der Zuhörer. Wenn sie unsere Musik mögen, können sie bleiben, wenn nicht, gehen sie. Sie haben eine große Auswahl. Wir haben durch Festivals die Möglichkeit, neue Leute zu treffen und unsere Musik immer wieder mit einem ganz neuen Publikum zu teilen. Die Band macht gerne Party, darum haben wir immer viel Spaß! Auf Festivals machen wir einfach das, was wir lieben. Es ist ein Traum.

Freifeld ist nicht nur ein Musikfestival. Es gibt dort auch Filme, Theater und Workshops. Zum Beispiel kann man selbst ein Windrad konstruieren, ein Fahrrad basteln oder kreatives Schreiben ausprobieren. Was würdest du testen?

Wow, das klingt gut. Ich spreche nur für mich: Ich mag Theater, ein Theaterworkshop wäre großartig.

Ich habe gelesen, dass du und Elliott so verrückt verliebt seid, dass ihr euch, wenn ihr allein seid, oft etwas vorsingt.

Wir singen eher über uns. Wir können nicht ohne einander leben. Wenn wir auf der Bühne stehen, schauen wir uns an. Das ist unsere Art. So haben wir angefangen. Wir haben nicht zum Publikum geguckt, weil wir so nervös waren. Elliot und ich machen alles zusammen: Wir singen, wir leben zusammen, wir haben einen Hund zusammen… (lacht)

Macht ihr Musik für Verliebte?

Ja klar, für Verliebte und für alle anderen. Wir singen viele Liebessongs, in denen wir glückliche, aber auch viele tragische Geschichten erzählen. In unseren Liedern spielen wir Rollen. Wir nehmen unsere Zuschauer auf eine Reise durch diese Geschichten mit. Wir singen für jeden, der uns zuhören möchte.


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