Gründerszene im Nordwesten: Ein T-Shirt für (fast) nahtlose Bräune

Gründerszene im Nordwesten: Ein T-Shirt für (fast) nahtlose Bräune Live

Deutschland, ein Land der Gründer und Erfinder? Eher nicht, die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. In Oldenburg und in den Landkreisen hat sich jedoch eine noch überschaubare, aber lebendige Gründerszene entwickelt. NWZonline stellt in einer Serie die spannendsten Projekte vor und sucht weitere mutige Start-ups: Wer gerade selbst an einer Erfindung tüftelt oder den Schritt in die Selbständigkeit schon gemacht hat, kann sich gerne bei uns melden: inga.wolter@nordwest-zeitung.de.

von Inga Wolter



TanMeOn - Bräun mich an!


Jan Rosenbrock entwarf TanMeOn, das durchbräunende T-Shirt. Foto: TanMeOn
von Inga
"Wow, bist du braun geworden!" Den Satz hört man am allerliebsten, wenn man aus dem Urlaub kommt. Erholt, knackig braun oder zumindest mit einem Hauch von Bronze. Es gibt aber Menschen, die mit Streifen durch den Sommer ziehen - Jogger, Golfer und Radfahrer zum Beispiel. Sie tragen ihre Trikots, die Sonne brennt ihnen auf Arme und Beine und am Ende sind sie an einigen Stellen braungebrannt und an anderen schneeweiß. Jan Rosenbrock (28) nennt diese Streifen, die für gewöhnlich an Oberarmen und Oberschenkeln auftauchen, "Tanning Fails" - also Bräunungsfehler.

In Oldenburg studiert

Nicht so dramatisch, wie es klingt, aber auch nicht schön,
findet der Bremer,
der in Oldenburg Integrated Media studiert hat. Er ist Tennisspieler, hat auch auf Hawai studiert und auf Teneriffa gearbeitet. Ihn störten diese Streifen, seine "Tennisspielerbräune", schon. Vor vier Jahren, während seines Auslandsstudiums, entwickelte er die Idee vom durchbräunenden T-Shirt, mit dem er ärgerliche "Tanning Fails" reduzieren möchte. Beim Treffen in einem Café an der Schlachte in Bremen ist es diesig, kühl, also keine Chance auf ein Sonnenbad. Trotzdem packt Jan eines seiner TanMeOn-Shirts aus.

Viele kleine Löcher

Er zieht das schlichte, hellblaue Shirt auseinander. "Der Stoff besteht aus winzigen, aneinandergereihten Löchern", erklärt er. "Sie sind mit einem sehr dünnen Faden genäht, sodass möglichst viel UV-Strahlung hindurchkommt." Auch durch den sehr dünnen Saum werden Bräunungsabdrücke auf ein Minimum reduziert. Jan telefonierte eine lange Liste an Textilunternehmen ab und ließ sich viele Muster schicken, bis er schließlich den passenden Partner für das TanMeOn-Shirt gefunden hatte. Auch surfte er im Internet und schaute sich Konkurrenz-Produkte an. Einen wichtigen Teil der Arbeit erledigte Jan übrigens im Sonnenschein: die T-Shirt-Tests. Er klebte ein Pflaster darunter auf den Oberkörper und legte sich in die Sonne. Es funktionierte: "Neben dem Pflaster war die Haut deutlich brauner als unterm Pflaster."

"Nahtlos braun wird man auch mit diesem T-Shirt nicht", sagt Jan. "Aber es bleiben nur Mini-Abdrücke." Neben der Materialsuche war der Schnitt die größte Herausforderung für ihn und Freundin Lisa Schmitz (26), die beim Projekt mitarbeitet. "Beim Herren-Shirt ging es sehr schnell", erzählt Jan. "Bei den Damen dauerte es viel länger..." Immer wieder änderte die Designerin den Schnitt, begutachtete das T-Shirt an Models und perfektionierte den Schnitt weiter. Eigentlich sollte TanMeOn im Frühjahr starten, wegen der etwas zähen Schnittentwicklung wurde es Ende Juni. "Dafür sind wir jetzt zufrieden", sagt Jan.

Nahtlos braun wird man auch mit diesem T-Shirt nicht. Aber es bleiben nur Mini-Abdrücke.

Der 28-Jährige finanzierte die T-Shirt-Entwicklung privat. Mit 5000 Euro ging er ins Rennen. "Im Moment trägt sich TanMeOn", sagt Jan. Das Risiko konnte er eingehen, weil er von seiner Bremer Werbeagentur "Viralium", einer Agentur für Videocontent, leben kann. Den Gewinn aus TanMeOn investiert er immer wieder sofort in neue Projekte, zum Beispiel in die UV-durchlässigen Hosen, die es bald geben soll.

Zielgruppe für das UV-durchlässige T-Shirt sind vor allem Outdoor-Sportler wie Golfer und Tennisspieler, aber auch Festivalbesucher. Foto: TanMeOn
von Inga

Mehrere hundert T-Shirts pro Monat hat Jan seit seinem Start im Juni über seinen Online-Shop verkauft. "Den Shop habe ich komplett selbst gemacht", erzählt er. Dadurch spart er viel Geld. "Schwierig waren nur die rechtlichen Dinge", sagt Jan. Er engagierte einen Anwalt, der ihn zum Beispiel beim Aufsetzen der AGBs unterstützte. Als Jan seinen Online-Shop zum Test scharf schaltete, vergaß er, ihn abends wieder offline zu stellen. Am nächsten Tag hatte er fünf T-Shirt-Bestellungen im E-Mail-Eingang, aber noch keine T-Shirts auf Lager. Aber er sah, dass es funktionieren könnte.

Sonnencreme trotzdem einpacken


Jans nächstes Ziel ist, die T-Shirts auch im Handel zu verkaufen, etwa in Sportgeschäften.
Auch könne die Produktpalette erweitert werden: Ein UV-durchlässiger Bikini wäre eine reizvolle Herausforderung, um dem Wunsch nach der perfekten Bräune möglichst nahe zu kommen. Aber: Vorsicht! "Du musst dich trotzdem eincremen", sagt Jan. UV-durchlässig heißt eben auch, dass die Sonnenbrand-Gefahr wieder steigt.

Sonnencreme unterm Shirt? Muss das sein? Klebt das nicht? Vielleicht siegt im Herbsturlaub der Onlineredakteurin doch der Tragekomfort über die Eitelkeit...


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