Paul Maar - Der Mann mit den Wunschpunkten

Paul Maar - Der Mann mit den Wunschpunkten Live

Ein Interview mit einem weltberühmten Kinderbuchautor auf einer Kinderbuchmesse - das ist eindeutig ein Fall für Kinderreporter. Die NWZ hat Justus (8) und Julius (fast 8) zum Gespräch mit Paul Maar (fast 77) geschickt: zwei ausgewiesene "Sams"-Experten aus der Klasse 2b der Hermann-Ehlers-Schule in Oldenburg. Und sie erfuhren tatsächlich sensationell Neues vom Sams-Erfinder: Im Herbst 2015 soll es ein neues Samsbuch geben, Band Nummer 8 - Maar hat es bereits geschrieben!

Im Gespräch: Julius (links) und Justus befragen Paul Maar.
von timo.ebbers

Von Justus Krogmann und Julius Renken

Die Jungs werden tatsächlich still. Vorhin auf dem Gehweg sind sie noch herumgesprungen, jeder einen Notizblock und einen NWZ-Kugelschreiber in der Hand, aber jetzt steht er leibhaftig vor ihnen: Paul Maar, der Erfinder des Sams, ein echter Schriftsteller, groß, weißhaarig und ein bisschen müde, die Reise von Bamberg nach Oldenburg war lang. "Kommt, wir setzen uns hier an den Tisch", sagt Maar freundlich, "was für Fragen habt ihr denn an mich?"

Schweigen. Dann schieben die Jungs vorsichtig ihre Sams-Bücher über den Tisch. "Können Sie das bitte unterschreiben?" Paul Maar zeichnet in jedes Buch ein Sams. Justus und Julius strahlen. Es kann losgehen.


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von timo.ebbers


Frage: Hätten Sie gern ein Sams, Herr Maar?

Maar: Einerseits schon, wegen der Wunschpunkte. Andrerseits würde es mein geregeltes Leben völlig auf den Kopf stellen und für Chaos sorgen. Ich fürchte, ich bin schon zu alt, um so ein Sams tagtäglich aushalten zu können.

Frage: Was würden Sie sich denn wünschen, wenn Sie ein Sams hätten?

Maar: Früher, als junger Autor hätte ich gesagt: soviel Geld, dass ich meine Miete zahlen und mir ab und zu einen Restaurant-Besuch leisten kann. Jetzt fehlt mir kein Geld, aber Zeit. Falls das Sams so etwas kann, würde ich wünschen, dass es mich doppelt gibt: Der eine Paul würde in aller Ruhe zu Hause sitzen, schreiben und malen. Der andere würde alle Lesungswünsche erfüllen können und mindestens 100-mal im Jahr vorlesen.

Frage: Wie sind Sie auf das Sams gekommen?

Maar: Meine Hauptfigur war nicht etwa das Sams, sondern der schüchterne, weltfremde Herr Taschenbier. In meiner Kindheit gab es einen Menschen, der so war, wie ich Taschenbier beschrieben habe: Immer sehr ernst, ängstlich, schüchtern. Er sprach nie von sich aus andere Erwachsene an, sondern antwortet nur, wenn er angesprochen wurde. Nur bei Kinder taute er ein bisschen auf. Er war es, der mich dazu ermunterte, nicht die Firma meines Vaters zu übernehmen, sondern Kunst zu studieren. Ich hätte ihm gerne zu mehr Mut und Lebensfreude verholfen. Das schafft aber kein Kind. Erst als erwachsener Autor konnte ich ihn in den Samsbüchern aufleben lassen und ihm ein fantastisches Wesen zur Seite stellen, das Sams, das ihn selbstbewusster werden lässt.

Frage: Welche Figur aus den Sams-Büchern wären Sie am liebsten? Ist Ihnen eine ähnlich?

Maar: Früher, als Kind, war ich schüchtern. Da war ich ein kleiner Taschenbier. Wäre ich jetzt am liebsten der Tierfreund Herr Mon? Ja, das wäre ich.

Frage: Woher haben Sie die Idee zu ihren Geschichten?

Maar: Woher die Ideen kommen, weiß ich auch nicht. Ich habe mal gesagt: Meine Ideen wissen inzwischen ganz genau, dass sie um 9:00 kommen müssen. Weil ich mich da an meinen Schreibtisch setze. Ideen kommen manchmal an den unterschiedlichsten Orten. Die Idee zum Samsband 3 (Taschenbier bekommt versehentlich die Wunschpunkte) hatte ich auf dem Weg zu einer Lesung bei einer Autobahnfahrt. Ich fuhr beim nächsten Rastplatz raus, und da ich kein Papier dabei hatte, schrieb ich zwei Rückseiten meines Lesungsvertrags voll, um die Einfälle nicht zu vergessen.


Paul Maar wurde 1937 in Schweinfurt/Bayern geboren. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Kunstlehrer, heute lebt er als freier Kinderbuchautor in Bamberg. Seine berühmteste Kinderbuchfigur ist sicherlich das freche Sams, seit 1973 erschienen sieben Samsbücher. Weitere bekannte Figuren sind zum Beispiel das kleine Känguru, Herr Bello  oder der Träumer Lippel. Paul Maar gewann mit seinen Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden, zahlreiche Preise. Mittlerweile werden sogar Schulen nach ihm benannt. Auch in Oldenburg-Osterburg gibt es eine Paul-Maar-Grundschule.


Frage: Schreiben Sie noch ein Samsbuch?

Maar: Ja, das neue Samsbuch ist schon geschrieben und wird im Herbst 2015 erscheinen.

Aufregung am Tisch, die Jungs tuscheln. Noch ein Samsbuch! Band Nummer acht!

Maar: Soll ich euch verraten, worum es in dem Buch geht?

Eifriges Kopfnicken bei Justus und Julius.

Maar: Also gut. Das Buch heißt "Ein Sams zu viel". Es spielt in der Vergangenheit, als Herr Taschenbier noch zur Untermiete bei Frau Rotkohl wohnte. Frau Rotkohl schimpft wieder ganz viel über das Sams und regt sich auf. Dann ruft Herr Taschenbier: Ich wünsche mir, dass Sie auch ein Sams haben! Er wusste nicht, dass das Sams noch einen letzten Wunschpunkt hinter dem Ohr hatte. Und jetzt hat Frau Rotkohl ein Sams.

Frage: Warum hat das Sams eigentlich immer wieder neue Besitzer: erst Herrn Taschenbier, dann Martin, dann kommt auch noch Betty...

Maar:  Eigentlich wollte ich nach dem dritten Samsbuch die Sams-Reihe beenden. Nun war Herr Taschenbier verheiratet, und wenn ich von ihm weitererzählt hätte, wäre es eine Ehegeschichte geworden. Die hätte Erwachsene interessiert, weniger die Kinder. Dann kamen so viele Briefe von Kindern, die unbedingt eine Fortsetzung haben wollten. Und da zwischen dem 3. und 4. Samsbuch etliche Jahre vergangen waren, dachte ich mir aus, dass Taschenbier nun einen Sohn hat, Martin, der die Schüchternheit seines Vaters geerbt hat. Zu Betty ist das Sams ja nicht gekommen. Die war zufällig zu Besuch bei Opa Taschenbier. Das Sams kam zu ihm!

Frage: Das Sams hat ja immer Hunger und isst alles auf. Was essen Sie am liebsten?

Maar: Nudeln mit den unterschiedlichsten Beigaben.

Frage: Was haben Sie als Kind gern gemacht?

Maar: Gelesen!

 Erst das Interview, dann an den Schreibtisch: Kinderreporter Justus Krogmann und Julius Renken bei der Arbeit. Bild: Karsten Krogmann
von timo.ebbers


Paul Maar dreht sich zu den Erwachsenen im Raum um und sagt: "Die Verlage stellen fest, dass sich das Leseverhalten stark verändert. Längst nicht alle Kinder sind so buchbegeistert wie diese beiden Jungs. Das merkt man am Kaufverhalten, ich merke das aber auch bei Lesungen. Die älteren Kinder finden so etwas wie das Sams zu babymäßig, den jüngeren ist das zu viel Text. Deshalb probieren wir jetzt folgende Strategie: Ich erzähle die Sams-Geschichten noch mal nach für Erstleser. Im Frühjahr erscheint: "Wie das Sams seinen Taucheranzug bekam"."

Frage: Was wollten Sie als Kind werden?

Maar: Lokomotivführer. Allerdings auf der damals üblichen Dampflokomotive.

Frage: Was ist das Schönste für Sie an Ihrem Beruf?

Maar: Dass ich mit meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Malen und Schreiben, auch noch Geld verdienen kann. Und dass ich meinen Beruf zu Hause ausüben kann.

Frage: Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben?

Maar: Mehr als 50.

Frage: Wann hören Sie mit dem Bücherschreiben auf?

Maar: Wenn ich nicht mehr den Federhalter halten kann. Ich schreibe ja noch so wie früher: mit der Hand, bevor ich es in den Computer tippe.


Paul Maar war am Wochenende Gast der Eröffnungsveranstaltung der Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum in Oldenburg. Dort las er, begleitet von Musikern, aus dem Buch "Das fliegende Kamel".  Die Kibum läuft noch bis zum 25. November im Kulturzentrum PFL an der Peterstraße. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8:30 Uhr bis 19:00 Uhr, sonnabends und sonntags von 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr.

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